Aphasie

Der Begriff Aphasie bedeutet ursprünglich „ohne Sprache“. Ins Deutsche wird Aphasie oft mit „Sprachverlust“ übersetzt.

Aphasie wird durch eine Schädigung der dominanten, also bei Rechtshändern der linken Hemisphäre verursacht. Sie tritt auf nach neurologischen Erkrankungen (wie z.B. Schlaganfall, Schädelhirntrauma, Gehirnblutung nach Venenthrombose, Tumoren, entzündliche Erkrankungen) nach abgeschlossenem Spracherwerb.

Aphasie verursacht Beeinträchtigungen in den einzelnen sprachlichen Modalitäten (Sprechen, Verstehen, Schreiben und Lesen) in unterschiedlichen Schweregraden.

Die bekanntesten Formen der Aphasie sind:

  • Amnestische bzw. anomische Aphasie
    Leitsymptom: Wortfindungsstörungen (Schwierigkeiten beim Benennen von Gegenständen u.ä.). Die Sprache ist flüssig, bei auftretenden Wortfindungsstörungen können die Zielbegriffe häufig umschrieben werden. Das Kurzzeitgedächtnis ist gestört (z.B. Schädel-Hirn-Trauma).
  • Broca-Aphasie
    Die Broca-Aphasie wurde früher auch „motorische Aphasie“ genannt. Stockende, angestrengte Spontansprache mit starken Wortfindungsstörungen. Mittelgradige Störungen des Sprachverständnisses, so dass es im Gespräch manchmal zu Missverständnissen kommt. Werden häufig erst bei direkter Testung entdeckt.
  • Wernicke-Aphasie
    Die Wernicke-Aphasie wurde früher auch „sensorische Aphasie“ genannt. Flüssige Sprache mit sehr vielen semantischen Paraphasien (Verwechslungen von Wörtern) und phonematischen Paraphasien (Lautverdrehungen) bzw. Neologismen (Wortneuschöpfungen). Meist werden die Fehler von den Betroffenen nicht wahrgenommen. Zum Teil überschießender Sprachfluss (der Logorrhoe). Stark eingeschränktes Sprachverständnis.
  • Globale Aphasie
    Die globale Aphasie ist die schwerste Form der Aphasie, bei der kaum lautsprachliche Äußerungen möglich sind und auch das Sprachverständnis schwer gestört ist. Ursache ist eine ausgedehnte Läsion, die das motorische und sensorische Sprachzentrum der dominanten Hemisphäre mit einschließt. Meistens handelt es sich um einen Totalinfarkt im Versorgungsgebiet der Arteria cerebri media.

Therapie

Aphasien gehören zu den am häufigsten von Sprachtherapeuten und Logopäden therapierten Störungsbildern.

Die Therapie von Aphasie-Betroffenen zielt darauf ab, die Fähigkeit zur Kommunikation zu verbessern. Sie kann sich über mehrere Jahre erstrecken und sollte nach allgemeinen Erkenntnissen so bald wie möglich nach Auftreten der neurologischen Erkrankung, z.B. nach dem Schlaganfall, begonnen werden.

Aphasie-Patienten werden in den meisten Fällen stationär in Kliniken oder Reha-Zentren oder durch Hausbesuche betreut.